Jeden Tag bezeugen wir so viele Wunder, die das Lächeln ausdrücken, mit dem Gott uns begleitet.

Ich bin in der Schule und korrigiere die Haus-aufgaben meiner Schüler von gerade eben. Ich nehme den Aufsatz von Eunice in die Hand (es handelt sich um einen Phantasienamen). Er ist sehr gut geschrieben, mit zwei Zeichnun-gen voller Details. Ich fange an zu lesen: Es gibt nicht eine einzige richtige Antwort. Ich lächle. Ich weiß, dass Eunice sich sehr bemüht hat, sie wollte etwas Schönes machen, aber sie hat immer noch Schwierigkeiten beim Lesen. Vielleicht hat sie nicht verstanden, was sie zu tun hatte. Ich rufe sie an meine Bank, lese ihr die Fragen vor und sie beantwortet sie alle richtig. Glücklich kehrt sie an ihren Platz zu-rück. Danach rufe ich ihre Mutter an, erzähle ihr, was passiert ist und rate ihr, Eunice bei den Hausaufgaben zu helfen. Sie dankt mir und sichert mir ihre Hilfe zu.
Eunice ist ein Waisenkind. Die Mutter, die ich angerufen habe, ist eigentlich eine entfernte Verwandte, die dieses kleine Mädchen aufge-nommen hat, da sonst niemand sie wollte. Da sie zwei weitere Kinder in unserer Schule hat-te, beschloss sie, auch Eunice bei uns einzu-schreiben.
In einem kürzlich erschienenen Artikel für den Corriere della Sera schrieb Papst em. Benedikt XVI.: „Zu den großen und grundle-genden Aufgaben unserer Verkündigung ge-hört es, im Rahmen unserer Möglichkeiten Lebensräume für den Glauben zu schaffen, und vor allem, sie zu finden und zu erkennen.“ Jeden Morgen gehe ich mit diesem Wunsch im Herzen in die Schule: dass meine Arbeit, der Unterricht, die Dialoge mit den Menschen, denen ich begegne, darauf ausgerichtet sind, einen Ort der Hoffnung aufzubauen, an dem es möglich ist, sich dem gemeinsamen Leben mit seinen Freuden und seinen Dramen zu stellen. Ein Ort, an dem ich den Herrn in meinem Le-ben am Werk erkennen kann. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht Zeuge kleiner Wunder der Hoffnung werde: die Dame, die Eunice mitgenommen hat und sie wie eine Tochter liebt; die Lehrer, die akzeptieren, zusammen-zuarbeiten, sich korrigieren zu lassen, sich mit den Kindern in Gefahr zu begeben, die mit ihnen reden, anstatt sich mit Gewalt durchzu-setzen, wie es in Kenia üblich ist; die Eltern, die Hilfe und Rat suchen…
Manchmal denke ich an Eunices Hausaufga-ben zurück. Wir haben so oft den großen Wunsch, es gut zu machen, aber wir wissen nicht immer, wie wir die Zeichen unserer Ge-schichte lesen können. Ich stelle mir vor, dass Gott lächelt, wenn er sieht, wenn wir in unsere wackeligen Versuche verwickelt sind, und dass er uns jeden Tag jemanden schickt, der uns hilft zu lesen, was mit uns passiert. Wir haben die Wahl, zuzuhören, zu vertrauen und zu folgen.

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