Diakonenweihe in Santiago de Chile.

Anfang 2009 schlug mir Don Massimo vor, in Chile den lateinamerikanischen Zweig unseres Ausbildungshauses zu eröffnen. Damals arbeitete ich gerade als Pfarrer in San Pedro Bonilli, einer sehr ausgedehnten Pfarrei im südli- chen Teil von Santiago, die noch heute der Bruderschaft anvertraut ist.

Der Vorschlag traf mich aus heiterem Himmel. Wieder eine Veränderung in meinem Leben! Seit etwas mehr als drei Jahren war ich Pfarrer. Die Herausforderungen unse- rer Mission waren gleichzeitig schwierig und faszinierend, und ich war froh dort. Die neue Aufgabe anzunehmen hieß nicht nur, die Pfarrei zu verlassen, sondern auch die zahl- reichen Personen, zu denen im Lauf der Zeit eine tiefe Beziehung gewachsen war.

Heute ist mir klar, dass es wieder einmal einfach um den gelebten Gehorsam ging. Der Vorschlag war sehr konkret und gleichzeitig noch geheimnisvoll, was seine Verwirklichung und die daraus entstehenden Perspektiven betraf. Aber ist das nicht immer so, wenn Gott in das Leben eines Menschen eintritt? Lädt er uns nicht ein, ganz im Vertrauen auf ihn in unbekanntes Land aufzubrechen? Ich sagte also ja und ging für ein paar Monate nach Italien, um mit Don Massimo die grundlegenden Ideen des neuen Projektes zu besprechen.

Er sagte mir damals: „Jeder eurer Schritte muss mit dem Zentrum der Bruderschaft abgestimmt sein, aber gleichzeitig schreibt ihr Geschichte mit eurer ganz persön- lichen Einzigartigkeit.“ Diese Worte erwiesen sich im nachhinein als sehr wahr. Die folgenden Jahre waren geprägt von einer tiefen Einheit mit der Bruderschaft. Gleichzeitig war es etwas Neues für die ganze Bruderschaft, dass nun an diesem Ende der Welt zukünf- tige Priester ausgebildet werden.

Nach dem kurzen Aufenthalt in Italien kehrte ich Ende 2009 nach Chile zurück. Ich begann, ein Haus für die künf- tigen Seminaristen zu suchen. Es klopften schon zwei junge Lateinamerikaner an unsere Tür, die in ihrer Heimat unsere Bewegung (AdÜ.: Comunione e liberazione, dt. ‚Gemeinschaft und Befreiung‘) kennengelernt hatten. Außerdem sollten aus Italien kommende Seminaristen nach den ersten Jahren in
Rom nun ihre Ausbildung in Lateinamerika abschließen.

Das Pfarrhaus, in dem ich damals mit anderen Priestern wohnte, war zu klein. Ich machte mich also auf die Suche. Trotz vieler Ungewissheiten bemerkte ich wieder einmal die unzählbaren Zeichen der Gegenwart Gottes. Er ließ mich nicht allein, sondern zeigte mir Schritt für Schritt den Weg. Dank der Freundschaft eines chilenischen Architekten und der Großzügigkeit eines italienischen Wohltäters konnte ich nach einigen Monaten ein Haus fin- den, kaufen, umbauen und mit Zustimmung der Diözese Santiago im Juli 2011 einweihen.

Heute lebe ich in diesem Haus mit Tommaso, Alessio, Riccardo, Javier und Don Ruben Roncolato, der mich in meiner Aufgabe als Rektor unterstützt. Das Haus liegt in etwa 800 Metern Höhe auf einem Ausläufer der Anden im Norden der Stadt Santiago. In dem ruhigen Stadtteil mit viel Grün haben die Studenten eine günstige Umgebung für das Studium und das Gebet, für das Gemeinschafts- leben und die Arbeit im Haus.

Seit 15 Jahren bin ich nun Priester. Ich hatte bisher die verschiedensten Tätigkeiten in Schulen und Pfarreien. Aber junge Männer auf dem Weg zum Priestertum zu begleiten, erfüllt mich mehr als jede andere mit Staunen und Sorge. Ich bin Augenzeuge der geheimnisvollen Initiative Gottes und versuche mit tiefem Respekt die Freiheit des Menschen zu unterstützen, der auf einen Ruf antwortet und ihm folgt.

Jeden Tag gehe ich mit den jungen Seminaristen neu in die Schule Christi, um das zu lernen, was ich schon zu wissen dachte.
Vor einigen Tagen wurden Tommaso und Alessio zu Diakonen geweiht. Ihr endgültiges Ja ist auch eine Frucht dieser kurzen Geschichte.
Was werden sie von hier aus in die Welt mitnehmen? Gewiss eine tiefe Vertrautheit mit der Person Christi und die schon erfahrene Schönheit, die Christus demjenigen schenkt, der ihm demütig und leidenschaftlich folgt.

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