{"id":13168,"date":"2025-10-22T11:32:51","date_gmt":"2025-10-22T09:32:51","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/?p=13168"},"modified":"2025-07-14T11:38:14","modified_gmt":"2025-07-14T09:38:14","slug":"leben-still-hingegeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/leben-still-hingegeben\/","title":{"rendered":"Leben, still hingegeben"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-1366x1025.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-2400x1800.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-1024x768.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-2048x1536.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-800x600.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-1600x1200.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-500x375.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/tenti-steppa-siberiana-hp2-1000x750.jpg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Tenti steppa siberiana hp2\" \/><\/picture><figcaption>Landschaft in der sibirischen Steppe, durch die Don Francesco jede Woche f\u00e4hrt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Eines der sch\u00f6nsten Dinge bei meiner derzeitigen Aufgabe als General\u00f6konom der Priesterbruderschaft ist, dass ich die M\u00f6glichkeit habe, unsere Missionen in aller Welt kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Reise, die ich in den letzten Monaten zusammen mit Pater Romano unternommen habe, f\u00fchrte mich zu unserer Mission in Nowosibirsk, der Hauptstadt Sibiriens. Eine gro\u00dfe Stadt mit etwa zwei Millionen Einwohnern. Zwei unserer Priester, Don Fecondo und Don Francesco, leben dort in einem Block mit tausenden Wohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen nach unserer Ankunft steigen wir mit Francesco ins Auto. Seit 33 Jahren f\u00e4hrt er jede Woche mehr als 400 Kilometer durch die sibirische Steppe zu den Pfarreien in zwei kleinen D\u00f6rfern, die er betreut. Donnerstag bis Montag verbringt er dort. Dann nimmt er wieder das Auto und kehrt zur\u00fcck, quer durch die Steppe, nach Nowosibirsk und zu Fecondo. Jede Woche, seit mehr als 30 Jahren, die gleichen 400 Kilometer hin und zur\u00fcck. Nach f\u00fcnfeinhalb Stunden Fahrt und endlosen Birkenw\u00e4ldern erreichen wir das erste Dorf. Das Geb\u00e4ude, in dem sich die Kirche und das Pfarrhaus befinden, hat einer unserer Priester vor 33 Jahren gekauft. Urspr\u00fcnglich hatte eine Bar daraus werden sollen. Inzwischen hat Francesco es, Woche f\u00fcr Woche, umgebaut und \u2013 buchst\u00e4blich mit eigenen H\u00e4nden \u2013 die Kapelle, einen kleinen Gemeindesaal und die Wohnung f\u00fcr den Priester errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der K\u00e4lte, der Tatsache, dass es an diesem Ort praktisch kein soziales Leben gibt, der Zeitverschiebung, der langen Reise und der Dunkelheit beschlie\u00dfen wir, fr\u00fch zu Bett zu gehen. Ich habe mir schon die Schuhe ausgezogen, als Don Francesco an meine Zimmert\u00fcr klopft: \u201eWollt ihr nicht mitkommen, den Sternenhimmel anschauen? Er ist wundersch\u00f6n hier.\u201c Ich ziehe mir die Schuhe wieder an, wir nehmen das Auto und fahren an einen komplett dunklen Ort.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Eines Tages wird die wahre Bedeutung dieser Leben sichtbar werden, die still hingegeben werden<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich aus dem Auto steige, \u00fcberw\u00e4ltigt mich der Anblick des Sternenhimmels. Man sieht die Milchstra\u00dfe ganz klar. Und so viele Sterne, dass ich keine Sternbilder identifizieren kann. Francesco zeigt uns die Kassiopeia und \u00fcberzeugt uns, dass sie wie ein M aussieht, der Anfangsbuchstabe von \u201eMaria\u201c. Dann schl\u00e4gt er uns vor, den \u201eEngel des Herrn\u201c zu beten. Mittlerweile erfrieren wir fast. \u201eAb und zu\u201c, sagt er, \u201ewenn ich bei einer Familie zum Abendessen bin, gehe ich zu Fu\u00df nach Hause und schaue mir den Himmel an.\u201c \u201eFrancesco, lass uns gehen, wir erfrieren hier!\u201c \u201eAber hier ist doch trockenes Klima und man sp\u00fcrt die K\u00e4lte nicht so\u201c, erwidert er. An einem Ort wie diesem kann man nicht \u00fcberleben, ohne ein bisschen verr\u00fcckt zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen bereiten wir Kekse und Tee f\u00fcr ein festliches Zusammensein mit den Gemeindemitgliedern vor. Francesco hat ihnen schon gesagt, dass wir kommen, und m\u00f6chte, dass Romano und ich ihnen nach der Messe ein bisschen \u00fcber uns erz\u00e4hlen. Zur Messe erscheinen allerdings nur zwei Babuschkas, zwei alte Damen. Die eine ist auch noch taub. Nach der Messe gehen sie wieder. Ich esse etwas frustriert einen Keks. \u201eStefano\u201c, sagt Francesco mit einem L\u00e4cheln, \u201ehier rechnen wir in einzelnen Seelen, nicht in Missionsgebieten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, auf der R\u00fcckfahrt nach Nowosibirsk, erz\u00e4hlt Francesco uns, sein Freund Agostino Molteni habe ihm, als sie im Seminar waren, eine Karte geschenkt, auf der stand: \u201eWir sind Clowns, aber wir haben etwas gesehen.\u201c Und er erkl\u00e4rt das so: \u201eWenn wir auf das schauen, was wir selbst schaffen k\u00f6nnen, ist es zum Lachen, aber wir haben etwas gesehen. Ich sehe etwas, aufgrund dessen es Sinn hat, hier zu sein.\u201c Ich habe bei ihm, in den wenigen Worten, die er sagt, nie eine Spur von Wehmut oder Entt\u00e4uschung gesehen. Wenn ich mir einen Missionar vorstelle, denke ich an Tausende von Begegnungen, endlos viele Taufen, jede Menge pastorale Erfolge. Aber es kann auch sein, dass die Frucht von 33 Jahren Missionsarbeit zwei alte Damen sind. Und doch gibt jemand sein Leben hin f\u00fcr dieses Land, f\u00fcr dieses Volk. Ich bin sicher, dass dieses stille und treue Opfer mehr zum Aufbau der Kirche beitr\u00e4gt als die gro\u00dfen Erfolge, die so viele unserer Priester in anderen Teilen der Welt haben. Eines Tages wird die wahre Bedeutung dieser Leben sichtbar werden, die still hingegeben werden f\u00fcr das Heil der Menschen. Wenn es einem darum geht, dann kann man sein Leben frei hingeben, unabh\u00e4ngig von jedem Erfolg. Ich glaube, deswegen ist Francesco so froh. Eine gelassene Freude, die auch ich mir w\u00fcnsche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einer Reise durch Sibirien kann man die Quelle echter Freude entdecken<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12363,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"Leben, still hingegeben - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Bei einer Reise durch Sibirien kann man die Quelle echter Freude entdecken"},"footnotes":""},"categories":[922],"tags":[933,926],"writers":[569],"regions":[946],"cities":[978],"class_list":["post-13168","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-zeugnisse","tag-missione-de","tag-sacerdozio-de","writers-stefano-tenti","regions-europa-de","cities-novosibirsk-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13168"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13169,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13168\/revisions\/13169"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12363"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13168"},{"taxonomy":"writers","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/writers?post=13168"},{"taxonomy":"regions","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/regions?post=13168"},{"taxonomy":"cities","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/cities?post=13168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}