{"id":13171,"date":"2025-11-05T11:40:34","date_gmt":"2025-11-05T10:40:34","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/?p=13171"},"modified":"2026-01-19T15:47:29","modified_gmt":"2026-01-19T14:47:29","slug":"all-dies-ist-frucht-einer-umarmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/all-dies-ist-frucht-einer-umarmung\/","title":{"rendered":"All dies ist Frucht einer Umarmung"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025-1366x915.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025-1024x686.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025-800x536.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025-500x335.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/aldo-trento-2025-1000x670.jpeg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Aldo Trento 2025\" \/><\/picture><\/figure>\n\n\n<p>Ich war schon einige Jahre Priester, als ich Don Giussani zum ersten Mal begegnet bin. Zu der Zeit befand ich mich in einer schweren Krise, und diese Begegnung hat mein Leben ver\u00e4ndert. Es ist eine lange Geschichte, aber ich denke, es lohnt sich, ein bisschen davon zu erz\u00e4hlen, damit ihr versteht, wieso dieses St\u00fcckchen Paradies entstanden ist, die \u201e<em>Fundaci\u00f3n San Rafael<\/em>\u201c. Sie ist eine von der Pfarrei unabh\u00e4ngige Stiftung, aber auch Ausfluss der karitativen Dimension, die diese Pfarrei seit den Anf\u00e4ngen unserer Mission hier lebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine erste Begegnung mit Don Giussani fand im M\u00e4rz 1989 statt, am Fest Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung. Ich war v\u00f6llig am Boden zerst\u00f6rt, menschlich gebrochen, weil ich den Sinn meines Lebens verloren hatte. Am Ursprung dieser Depression stand eine schwere emotionale Krise, die mich hatte glauben machen, mein Leben habe keinen Sinn mehr, nichts habe mehr Sinn. Mir war klar geworden, dass ich ohne eine Gemeinschaft, ohne einen Vater, der mir zur Seite stand, niemals aus diesem tiefen Brunnen w\u00fcrde herauskommen k\u00f6nnen, in den ich gefallen war.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam es, dass ich Giussani bat, ihn in seinem Haus in der Via Martinengo in Mailand besuchen zu d\u00fcrfen. Er empfing mich mit gro\u00dfer Freude, und als er die Tr\u00e4nen in meinen Augen sah, umarmte er mich und fragte: \u201eWas ist los mit dir, Aldo?\u201c Ich brach in Tr\u00e4nen aus und erz\u00e4hlte ihm alles, was ich gerade durchmachte. Er schaute mir in die Augen und sagte: \u201eWie sch\u00f6n, Aldo! Jetzt wirst du endlich ein Mann! Ja, wirklich. Denn das, was du erlebst, ist eine Gnade f\u00fcr dich, f\u00fcr die Bewegung und f\u00fcr die ganze Kirche.\u201c Ich konnte es nicht glauben. Noch nie hatte mich jemand so gesch\u00e4tzt, angenommen und geachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Giussani f\u00fcgte noch hinzu: \u201eWie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn du jemanden finden k\u00f6nntest, der dir zur Seite steht in dieser schwierigen Zeit.\u201c Da entgegnete ich: \u201eAber Don Giuss, wo k\u00f6nnte ich jemanden finden, der bereit w\u00e4re, seine Zeit mit einem Depressiven und Schizophrenen zu verbringen?!\u201c Er antwortete: \u201eDann hei\u00dft das, dass du den ganzen August mit mir in Corvara verbringen musst und an allen Treffen dort teilnehmen.\u201c So lernte ich in jenem Monat in Corvara seinen Freund, den Psychiater Prof. Eugenio Borgna kennen. Ich erinnere mich, dass Borgna bei einer Versammlung mit dem CLU sagte: \u201eWir sind alle ein bisschen schizophren.\u201c Daraufhin applaudierte Giussani energisch und erg\u00e4nzte: \u201eJa, wir haben alle eine gewisse Schizophrenie in uns, wir alle erleben diese Spaltung des Ichs, jeden Tag, bei allem, was wir tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Die Klinik ist bewusst sch\u00f6n gestaltet \u2013 so sch\u00f6n, wie Christus sch\u00f6n ist; so sch\u00f6n, wie ein Patient mit AIDS<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, was die Methode sei, um aus dieser Schizophrenie herauszukommen, antwortete er entschieden: \u201eDurch eine Begleitung, durch jemanden, der uns nahesteht und dem wir uns ganz anvertrauen k\u00f6nnen. Was wir brauchen, ist eine Umarmung von jemandem, der uns ganz ungeschuldet annimmt.\u201c Ich verstand das sofort, und dank dieser Worte wurde mir klar, was ich gerade erlebte. Von diesem Moment an begleitete Giussani mich immer pers\u00f6nlich, sobald ich ihn brauchte. Ich konnte ihn jederzeit anrufen, oder er lud mich ein, ihn am Sitz der Bewegung in Mailand zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Aufmerksamkeit mir gegen\u00fcber kam auch in der Entscheidung zum Ausdruck, mich nach Paraguay zu schicken. Ich erinnere mich, dass ich ihm eines Tages in Collevalenza sagte: \u201eWie kannst du so etwas Gro\u00dfes mit einem Menschen wie mir wagen, der so eingeschr\u00e4nkt und depressiv ist?\u201c Er antwortete: \u201eIch habe Vertrauen in dich und bin sicher, dass dir diese Herausforderung sehr gut tun wird.\u201c So brachte er mich am 8. September 1989 pers\u00f6nlich zum Mail\u00e4nder Flughafen Linate an das Flugzeug nach Paraguay.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem sind viele Jahre vergangen. In dieser Zeit habe ich hier in Paraguay sehr viel Schmerz und Leid erfahren. Aber der Herr hat mir gro\u00dfartige Freunde wie Don Alberto und Don Paolino geschenkt. Nach fast 10 Jahren in Paraguay begannen die Werke aufzubl\u00fchen, die wir heute hier sehen. Sie sind Ausdruck der Umarmung, mit der Giussani mich damals aufgenommen hat. Es gibt kein einziges dieser Werke, das nicht Frucht der gro\u00dfen Zuneigung w\u00e4re, mit der Giussani mich von Anfang an begleitet hat. Man kann niemanden lieben, wenn man nicht zuvor selbst geliebt worden ist. So sind alle Werke hier Frucht der z\u00e4rtlichen Liebe Gottes, die mich durch Don Giussani erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann all das hier eigentlich nicht erkl\u00e4ren. Aber die g\u00f6ttliche Vorsehung hat sich dieses armen, depressiven Menschen bedient, um ihre Liebe zu zeigen zu den Armen, den Kranken, den alten Menschen, den Kindern, den Hungrigen, die jede Woche hier vorbeikommen, um ein Mittagessen oder eine T\u00fcte mit Lebensmitteln zu erhalten. Ein sehr sch\u00f6nes Zeichen dieser Liebe ist auch, dass alle Patienten der Palliativstation ein kleines Bl\u00fcmchen auf ihrem Nachttisch haben, als Zeichen daf\u00fcr, dass sie das Antlitz Christi f\u00fcr uns sind.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Ich bin ein armseliger Mensch, aber hier hat Gott\u00a0zweifellos Dinge getan, \u00fcber die alle Welt staunt<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Rollstuhl sitze, nimmt mich die diensthabende Schwester mit auf die Stationen, damit ich jeden Patienten kurz begr\u00fc\u00dfen, ihn segnen und ihm einen guten Tag w\u00fcnschen kann. Die Klinik ist auch bewusst sch\u00f6n gestaltet. Sie ist sch\u00f6n wie Christus sch\u00f6n ist, wie ein Patient mit AIDS sch\u00f6n ist oder einer mit einem Krebs, der ihm den Mund zerfrisst. Die meisten Patienten sterben, nachdem sie nur kurze Zeit bei uns waren. Aber es k\u00e4me keinem von ihnen in den Sinn, um Sterbehilfe zu bitten, selbst wenn er wirklich sehr leiden muss und gro\u00dfe Schmerzen hat. Denn alle f\u00fchlen sich hier geliebt und angenommen. Ihre Einsamkeit ist mit der Wurzel ausgerissen. Dadurch ist mir klar geworden, dass man gegen Euthanasie am besten k\u00e4mpft, indem man den Patienten mit Liebe begegnet, indem man ihnen die Hand h\u00e4lt und bis zum Ende an ihrer Seite bleibt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich noch nicht im Rollstuhl sa\u00df, bin ich jeden Morgen mit dem Allerheiligsten zu allen Patienten gegangen, habe sie gesegnet und denjenigen, die das wollten, auch die Kommunion gespendet. Wenn jemand starb, feierten wir die Messe in der Kapelle, wo der Sarg stand, und brachten ihn dann auf den Friedhof, den wir auf einem St\u00fcck Land in der N\u00e4he unseres Bauernhofs angelegt haben. Jetzt machen wir \u2013&nbsp;dank der Hilfe eines Priesters&nbsp;\u2013jeden Mittwochmorgen eine Prozession mit dem Allerheiligsten in der Klinik. Alles hier ist nicht nur sch\u00f6n, sondern spiegelt auch unsere Leidenschaft wider, zur Wahrheit zu erziehen, weil wir alle so die Gegenwart des Geheimnisses in jedem Detail erfahren k\u00f6nnen. Bislang haben wir fast 2.000 Patienten mit AIDS, Krebs und anderen Erkrankungen bis zum Tod begleitet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich noch auf die Gegenwart der g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit in diesem Werk hinweisen, die sich in der Sch\u00f6nheit jedes Details manifestiert. All dies ist Frucht jener Sch\u00f6nheit und jener Umarmung, die Giussani mir vor so vielen Jahren geschenkt hat. Anders k\u00f6nnte man nicht erkl\u00e4ren, wie ein solches Werk existieren kann, das Millionen von Dollar gekostet hat, von denen ich nicht einmal wei\u00df, woher sie gekommen sind. Ich bin ein armseliger Mensch, ich bin fast nichts, aber hier hat Gott zweifellos Dinge getan, \u00fcber die alle Welt staunt. Das beweist die Gegenwart Gottes, der sich eines Armen wie mir bedienen kann. Noch heute denke ich: Herr, wie hast du das nur alles geschafft? Zweifelsohne braucht der Herr nutzlose Menschen wie mich, die sich ihm ganz hingeben, damit er durch sie etwas wirken kann, wie das, was man hier sieht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr m\u00f6chte ich wirklich allen danken, angefangen mit Papst Franziskus, der bei seinem Besuch in Paraguay 2015 entgegen dem Protokoll entschieden hat, in diese Klinik zu kommen, um die Kranken zu segnen. Als er die Kapelle betrat, sagte er mir: \u201ePater Aldo, das ist ein Werk Gottes, machen Sie weiter!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte auch meinem gro\u00dfen und lieben Freund Pater Patricio danken, der hier bei mir ist und mich mit seiner Menschlichkeit unterst\u00fctzt. Wir machen diese Arbeit gemeinsam, nicht zuletzt wenn er dreimal in der Woche hierher kommt, um die Messe zu feiern. Und ich m\u00f6chte auch der <em>Fraternit\u00e0 san Carlo <\/em>danken, besonders denen, die uns regelm\u00e4\u00dfig besuchen und mir immer gro\u00dfe Aufmerksamkeit und Liebe schenken. Es ist immer noch die gleiche Umarmung, wie sie mir am Anfang zuteil wurde, die weiter lebendig, sp\u00fcrbar, z\u00e4rtlich und stark ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. Dezember letzten Jahres ist Pater Aldo Trento gestorben, nach 36 Jahren Mission in Paraguay. Zur Erinnerung an ihn ver\u00f6ffentlichen wir ein Zeugnis, das er im Dezember 2022 vor der Fraternit\u00e0 san Carlo gehalten hat.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11269,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"All dies ist Frucht einer Umarmung - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Am 20. Dezember letzten Jahres ist Pater Aldo Trento gestorben, nach 36 Jahren Mission in Paraguay. 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