{"id":16824,"date":"2026-02-20T18:13:43","date_gmt":"2026-02-20T17:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/lasciare-a-lui-lo-spazio\/"},"modified":"2026-02-20T18:14:58","modified_gmt":"2026-02-20T17:14:58","slug":"gott-dem-vater-raum-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/gott-dem-vater-raum-geben\/","title":{"rendered":"Gott, dem Vater, Raum geben"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-1366x911.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-2400x1600.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-1024x683.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-2048x1365.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-800x533.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-1600x1067.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-500x333.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sidoti-1000x667.jpg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Sidoti\" \/><\/picture><figcaption>Don Andrea Sidoti mit der Gruppe der Kinder vom Samstag<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Am Abend des 25. Oktober rief Pilar mich an, um mir mitzuteilen, dass ihr Sohn Miguel gestorben ist. Mit 13 Jahren. Er geh\u00f6rte zu den Kindern, die jeden Samstag in unsere Pfarrei in Bogot\u00e1 kommen, um gemeinsam zu spielen oder kleine Szenen aufzuf\u00fchren und anschlie\u00dfend mit uns die Messe zu feiern. Sie bereiten sich auf ihre Erstkommunion vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Miguel hatte ungef\u00e4hr einen Monat zuvor einen Fahrradunfall gehabt. Er schien schon auf dem Weg der Besserung. Wenn ich seinen j\u00fcngeren Bruder Esteban, der auch zur Gruppe der Kommunionkinder geh\u00f6rt, nach Hause brachte, ging ich immer kurz mit hinein und begr\u00fc\u00dfte Miguel. Die beiden Jungen lebten mit ihrer Mutter und zwei Schwestern im Teenageralter in einem einzigen Raum in der kleinen Favela, die zu unserer Pfarrei geh\u00f6rt. Bei einem dieser Besuche hatte ich den beiden Jungen gesagt, sie k\u00f6nnten gemeinsam zur Erstkommunion gehen. Sie freuten sich sehr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum zwei Wochen sp\u00e4ter ging es Miguel pl\u00f6tzlich schlecht und er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Giovanni und ich besuchen jetzt abwechselnd die Familie, um sie in dieser schrecklichen Zeit nicht alleinzulassen. Die Mutter ist arbeitslos und konnte die Kosten f\u00fcr die Beerdigung nicht aufbringen. Wir boten ihr an, ihr dabei zu helfen und hielten eine Sammlung unter den Gemeindemitgliedern und Freunden ab, in dem Bewusstsein, dass wir alle ein Leib sind. Zusammen mit den Katecheten der Erstkommuniongruppen begleiten wir die Familie nun, in der Hoffnung, dass es die Hand eines guten Gottes ist, die die Geschichte lenkt, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist f\u00fcr uns und wir es nicht verstehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Gott hat eine einzigartige und unwiederholbare Beziehung zu jedem der Kinder, die er mir anvertraut<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Alles war schon geplant: Miguel sollte knapp zwei Wochen sp\u00e4ter die Erstkommunion empfangen. Aber Gott hat einen anderen Weg zugelassen. Nun ist Miguel ihm fr\u00fcher begegnet, nicht verborgen in Brot und Wein, sondern von Angesicht zu Angesicht, wie einem Vater, der schon lange auf seinen Sohn wartet. Es bleiben viele Fragen und eine Erkenntnis: Gott hat eine einzigartige und unwiederholbare Beziehung zu jedem einzelnen der Kinder, die er mir anvertraut. Und er bittet mich, mich dieser sehr pers\u00f6nlichen Beziehung anzunehmen, die er zu jedem von ihnen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 8. Dezember sollen zehn Kinder die Erstkommunion empfangen, darunter auch Esteban. F\u00fcnf Minuten vor Beginn der Messe ist er immer noch nicht da. Ich rufe seine Mutter an und die sagt mir, Esteban wolle nicht mehr zur Kommunion gehen. Er f\u00fchle sich nicht wohl, weil alle anderen in Festkleidung erschienen seien, w\u00e4hrend er nur eine Jeans und ein offenes Hemd \u00fcber einem wei\u00dfen T-Shirt tr\u00e4gt. Ich laufe ihm nach, als er schon mit seiner Mutter auf dem Heimweg ist. Ich versuche ihm klarzumachen, dass es gar nicht darum gehe. Doch bei mir denke ich, es war falsch, mich nicht fr\u00fcher mit dieser Frage zu befassen. Eigentlich ist seine Reaktion mehr als verst\u00e4ndlich. Ich warte, insistiere noch einmal, warte wieder, aber er will nichts davon wissen. Ich gebe aber nicht auf und denke an seinen Bruder Miguel. Schlie\u00dflich l\u00e4sst Esteban sich doch \u00fcberzeugen. Er setzt sich zu den anderen Kindern und wird langsam ruhiger. Dann empf\u00e4ngt er zum ersten Mal die heilige Kommunion. Nach der Messe ist er \u00fcbergl\u00fccklich. Wir feiern alle zusammen im Pfarrsaal mit Kuchen und Liedern. Gegen Ende sehe ich ihn alleine dasitzen. Ich frage, wo seine Mutter ist. Bevor er mir antworten kann, kommt der Vater eines M\u00e4dchens, das auch zur Erstkommunion gegangen ist. Er erkl\u00e4rt mir, seine Familie habe mit Estebans Mutter gesprochen und wolle ihn einladen, bei ihnen zu Hause zu feiern. Wunderbar. Ich beuge mich herunter, um Esteban zu fragen, ob er das will, und er best\u00e4tigt es mit einem breiten L\u00e4cheln. Am Abend sehe ich ihn wieder, nach diesem ganz besonderen Tag. Er spielt mit den beiden Schwestern und zwei anderen Kindern aus dem Wohnblock, in dem er zu Gast war. Er ist so gl\u00fccklich, dass er mich nur ganz kurz begr\u00fc\u00dft, um keine Zeit zu verlieren und weiter spielen zu k\u00f6nnen. Ich danke Gott f\u00fcr dieses kleine Wunder.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott wirkt bei diesen Kindern immer viel mehr, als ich verstehen kann. Manchmal verstumme ich angesichts der Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit zwischen mir und dem, was er bewirkt. In diesem Schweigen danke ich ihm, dass er seine v\u00e4terliche Liebe den Kindern hier in der Pfarrei zeigt. Meine Aufgabe dabei ist nur, ihm Raum zu geben, damit er durch meine Gesten, meine Worte und vielleicht sogar durch meine Fragen ihnen Vater sein kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl im Leid als auch im Fest ruft Gottes Wirken Staunen und Stille hervor. 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