{"id":23253,"date":"2026-09-18T16:31:52","date_gmt":"2026-09-18T14:31:52","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/il-dolore-e-divenuto-attesa\/"},"modified":"2026-09-18T16:42:38","modified_gmt":"2026-09-18T14:42:38","slug":"wenn-der-schmerz-zur-erwartung-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wenn-der-schmerz-zur-erwartung-wird\/","title":{"rendered":"Wenn der Schmerz zur Erwartung wird"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-1366x911.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-1024x683.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-2048x1366.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-800x533.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-1600x1067.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-500x333.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Don-Simone-Gulmini-Sotero-del-Rio-Santiago-_-COPERTINA-hp2-1-1000x667.jpg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Don Simone Gulmini Sotero del Rio Santiago COPERTINA hp2\" \/><\/picture><figcaption>Simone Gulmini bei einem Besuch im Krankenhaus Sotero del Rio in Santiago de Chile.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum gibt es Leid? Welche Bedeutung hat unser Schmerz? Ist ein Leben ohne Leiden m\u00f6glich? Diese Fragen begleiten uns immer, ohne dass wir eine Antwort darauf finden. Manchmal suchen wir ein Bet\u00e4ubungsmittel, um ein wenig durchzuatmen. Ein Aphorismus der \u00f6stlichen Philosophie, der Buddha zugeschrieben wird, sagt: \u201eNeunzig Lieben, neunzig Leiden. Drei\u00dfig Lieben, drei\u00dfig Leiden. Eine Liebe, ein Leiden. Keine Liebe, kein Leiden.\u201c Die einzig m\u00f6gliche Antwort, wenn wir bereit sind, ein einsames Leben zu f\u00fchren, w\u00e4re: lernen, nicht zu lieben. Sicher w\u00e4re das nicht vern\u00fcnftig, aber vielleicht w\u00e4re es das Einzige, was uns bliebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der charakteristischen Merkmale des barocken Kolonialstils, den ich in Lateinamerika kennengelernt habe, ist die realistische Art der Darstellung des Leidens. Diese k\u00fcnstlerische Ausdrucksform entspricht der religi\u00f6sen Sensibilit\u00e4t des Volkes. Das konnte ich als Pfarrer in Bogot\u00e1 feststellen. Szenen aus der Passion Jesu werden besonders h\u00e4ufig dargestellt. Die entsprechenden Statuen tragen wirkliche Gew\u00e4nder und haben echte Haare. Die K\u00fcnstler haben versucht, die Wunden der vierzig Gei\u00dfelhiebe am Leib des Herrn sowie seine Mimik und seine Gef\u00fchle so realit\u00e4tsnah wie m\u00f6glich darzustellen. Auch seinen Schmerz. Jedes Jahr w\u00e4hrend der Karwoche erlebt das kolumbianische Volk in den Kirchen und auf den Stra\u00dfen die Geheimnisse der Passion nach. Die Blicke aller sind auf diese Wunden gerichtet. Ich habe mich immer gefragt, warum.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von ihm hat Maria die Liebe gelernt. Und so stand sie dann unter dem Kreuz<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wichtigste Statue dabei ist zweifellos die \u201eDolorosa\u201c, die \u201eSchmerzhafte Mutter\u201c. Die Gottesmutter steht tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mt unter dem Kreuz ihres Sohnes. In unserer Pfarrei in Bogot\u00e1 wird diese Statue nur w\u00e4hrend der Karwoche ausgestellt. Zwei Frauen k\u00fcmmern sich darum, sie auszustaffieren. Sie schm\u00fccken sie mit echtem Haar und h\u00fcllen sie in einen langen schwarzen Samtmantel. In den H\u00e4nden h\u00e4lt sie ein wei\u00dfes Tuch, mit dem sie das Blut ihres sterbenden Sohnes auff\u00e4ngt, und auf ihren Wangen sieht man Tr\u00e4nen, die nie versiegen. Das soll uns an das Schwert erinnern, das ihr durch die Seele drang, wie es im Lukasevangelium hei\u00dft. Die Frauen, die sie herrichten, lieben sie so z\u00e4rtlich, dass sie ihr auch Gesicht und H\u00e4nde eincremen, als m\u00fcsse man ihre Haut pflegen. Wer in diesen Tagen die Kirche betritt, besucht sie und entz\u00fcndet vor ihr eine Kerze. Am Karsamstag versammeln sich dann alle, um vor ihr zu beten, um ihr Gesellschaft zu leisten, aber auch einfach, um sie anzuschauen. Und ihren Schmerz nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Karwoche erleben wir mit, wie Gott in unser Leid eintritt, es auf sich nimmt, sich entstellen l\u00e4sst durch Verrat und Verleugnung. Auch er wollte diesen Weg gehen, um uns in unserer Angst und Einsamkeit nicht allein zu lassen. Er wollte sich das Leid nicht ersparen. Er hatte keine Angst, uns zu lieben. Einmal, drei\u00dfigmal, neunzigmal. Das ist die Macht, die unsere Blicke auf ihn lenkt und das kolumbianische Volk dazu bewegt, ihm durch die Stra\u00dfen zu folgen.<br>Wie oft hat Maria miterlebt, wie ihr Sohn in das Leiden der Menschen eintrat! Als er noch klein war und erst recht sp\u00e4ter, als Jugendlicher und Erwachsener. Wie oft war sie bewegt von der Gewissheit, mit der er das B\u00f6se auf sich nahm, um uns so die T\u00fcr zu einem wahreren Leben zu \u00f6ffnen! Auch sie sah die Wunden unseres Herrn; sie hatte sie ihr ganzes Leben lang gesehen \u2013 und seine Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Jesus hat sie gelernt zu lieben. Und so stand sie dann unter dem Kreuz. Sie hatte von ihm gelernt zu lieben, und sie liebte ihn bis zum Ende. Sie war bei ihm auch in jenem schrecklichen Moment, als sie mitansehen musste, wie sein Fleisch zerrissen wurde von den Gei\u00dfelhieben, und er zusammenbrach unter der Last des Kreuzes. Es ist beeindruckend, mit welcher Gewissheit Maria diesen Schmerz ertragen hat. Sie wusste nicht, was genau geschehen w\u00fcrde, daher hatte sie das Gef\u00fchl, ein Schwert durchbohre sie. Aber sie war sicher, dass ihr Sohn den Tod besiegen w\u00fcrde. Und so wurde ihr Schmerz zur Erwartung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Augen sind auf sie gerichtet und unser Herz. Anstatt den Sinn des Leidens zu erkl\u00e4ren oder ihren Schmerz zu bet\u00e4uben, tritt die \u201eSchmerzensmutter\u201c in unsere Leiden ein, mit ihrem wei\u00dfen Taschentuch und ihren Tr\u00e4nen. Und sie erwartet mit uns den Sieg ihres Sohnes. Wir k\u00f6nnen von ihr lernen, ihn gemeinsam zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was in dieser Ausgabe von Bruderschaft und Mission geschildert wird, hilft uns, in das Geheimnis des Leidens einzutreten, durch die Erfahrungen unserer Priester und der Menschen, denen sie begegnet sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Zeugnisse und eine Meditation, um die christliche Bedeutung des Leidens wiederzuentdecken.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21519,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"Wenn der Schmerz zur Erwartung wird - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Zwei Zeugnisse und eine Meditation, um die christliche Bedeutung des Leidens wiederzuentdecken."},"_slim_seo_primary_term_category":963,"_slim_seo_primary_term_post_tag":961,"_slim_seo_primary_term_writers":119,"_slim_seo_primary_term_regions":950,"_slim_seo_primary_term_cities":1006,"footnotes":""},"categories":[963],"tags":[961,933],"writers":[119],"regions":[950],"cities":[1006],"class_list":["post-23253","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-betrachtungen","tag-dolore-de","tag-missione-de","writers-ruben-roncolato","regions-italia-de","cities-rom"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23253"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23253\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23255,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23253\/revisions\/23255"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23253"},{"taxonomy":"writers","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/writers?post=23253"},{"taxonomy":"regions","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/regions?post=23253"},{"taxonomy":"cities","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/cities?post=23253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}