{"id":7743,"date":"2024-01-29T16:35:00","date_gmt":"2024-01-29T15:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/questione-di-yuanfen\/"},"modified":"2024-06-11T22:55:33","modified_gmt":"2024-06-11T20:55:33","slug":"questione-di-yuanfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/questione-di-yuanfen\/","title":{"rendered":"Bewundernswerte Treue"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-1366x767.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-1024x575.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-800x449.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-1600x898.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-500x281.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/COSTA-small-1000x561.jpg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Costa Small\" \/><\/picture><figcaption>Paolo Costa (2. von rechts) und Simone Valentini beim Singen mit der Gemeinschaft von Comunione e Liberazione in Taiwan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Vor einiger Zeit traf ich vor der Messe in St. Paul, einer unserer beiden Pfarreien in Taipeh, eine Frau aus unserer Gemeinde, die ich schon l\u00e4nger nicht mehr gesehen hatte. Sie hatte mich mehrfach eingeladen, aber ich hatte es nie geschafft, sie zu besuchen. Gleich nachdem wir uns begr\u00fc\u00dft hatten, erinnerte sie mich daran, dass ich ihr ein Mittagessen schuldig sei. Und so beschlossen wir, gleich nach der Messe zusammen essen zu gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dame hei\u00dft Immacolata, ist 94 Jahre alt und wohnt in der Stra\u00dfe, in der sich auch die Kirche befindet. Sie hat zwei Kinder, die nicht weit weg wohnen. Beim Essen erz\u00e4hlte sie mir ihr Leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe sehr jung geheiratet und bin mit meinem Mann und einem kleinen Sohn nach Taipeh gekommen.\u201c Immacolata stammt urspr\u00fcnglich aus Hunan, einer chinesischen Provinz auf dem Festland. Wie viele andere ist sie w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs geflohen. \u201eIn Taiwan bekam ich einen weiteren Sohn und eine Tochter\u201c, erz\u00e4hlt sie weiter. Als M\u00e4dchen habe man ihr, so erkl\u00e4rt sie, immer gesagt, sie sei nicht sch\u00f6n. Und auch ihr Mann habe sie nicht attraktiv gefunden. \u201eAls ich 18 war, brachte mein Mann einen Kollegen vom Milit\u00e4r mit nach Hause, mit dem er Basketball spielte, einen sehr gro\u00dfen und gutaussehenden jungen Mann. Ich erinnere mich, dass er mir Komplimente machte. Aber ich war ja schon verheiratet und sagte ihm: \u201aBetrachte mich als gro\u00dfe Schwester, heirate du auch und hab Kinder.\u2018 Als er sp\u00e4ter heiratete, lud er uns nicht ein, aber er schickte uns ein Foto von der Hochzeit.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter kam der junge Soldat zu Immacolata nach Hause. Es war um die Mittagszeit, ihr Mann war bei der Arbeit und sie war allein. \u201eIch trug ein sch\u00f6nes Kleid im westlichen Stil, ein Geschenk der Amerikaner. Ich war immer klein und d\u00fcnn und dieses Kleid stand mir gut. Aus H\u00f6flichkeit kochte ich ihm, da es gerade Essenszeit war, Nudeln in Br\u00fche und zwei Eier. Sie m\u00fcssen wissen, Pater, dass mich niemals jemand f\u00fcr sch\u00f6n gehalten hatte. Dieser junge Mann schien sich f\u00fcr mich zu interessieren, und auch ich f\u00fchlte mich zu ihm hingezogen. Da ich jedoch wusste, dass er ebenfalls verheiratet war, beschloss ich sofort, ihn nie wieder zu treffen. Ich begleitete ihn zur T\u00fcr und folgte ihm mit den Augen, w\u00e4hrend er \u00fcber eine Br\u00fccke wegging.\u201c Auch er, so schildert es Immacolata, drehte sich mehrmals um und sah sie an. In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie ihn immer lieben w\u00fcrde, auch wenn sie nie mit ihm zusammenleben k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Ihre Antwort \u00fcberraschte mich: \u201cLiebe ist Hingabe,\u00a0nicht Besitz\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als sie mir dies alles erz\u00e4hlte, hatte ich das Gef\u00fchl, Szenen aus einem Film des gro\u00dfen Regisseurs Zhang Yimou zu sehen. Als ihr Mann starb, war Immacolata erst 55 Jahre alt. Jener Mann kontaktierte sie und wollte sich mit ihr treffen. Sie willigte ein. Inzwischen waren sie beide nicht mehr jung. Er erz\u00e4hlte ihr, er habe drei T\u00f6chter, und begann, sich \u00fcber seine Frau zu beklagen. \u201eIch gab ihm zum ersten Mal die Hand\u201c, erinnert sich Immacolata, \u201eund sp\u00fcrte seine Haut voller Schwielen.\u201c Sie empfand Z\u00e4rtlichkeit f\u00fcr diesen alternden Mann. Aber als er ihr sagte, er wolle ein Hotelzimmer nehmen, um \u201ediese Dinge\u201c zu machen, stoppte sie ihn mit den \u00fcberraschenden Worten: \u201eLiebe ist Opfer, nicht Besitz\u201c. Ebenso unerwartet war seine Antwort: \u201eJetzt bewundere ich dich noch mehr als vorher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Geschichte weist mich Immacolata darauf hin, dass ihr chinesischer Name ein Schriftzeichen enth\u00e4lt, das \u201etreu\u201c bedeutet. Und es ist ihr wichtig zu betonen, dass sie das wirklich war. Durch die Erfahrungen dieser 94-j\u00e4hrigen Frau konnte ich wieder feststellen, wie wahr die Worte sind, die Luigi Giussani, der Gr\u00fcnder unserer Gemeinschaft, uns so oft gesagt hat und auf die ich mein Leben gegr\u00fcndet hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Essen gingen wir gemeinsam zu ihrer Wohnung. Als ich mich an der T\u00fcr von ihr verabschiedete, bedankte sie sich. Ich bedankte mich ebenfalls bei ihr, und ich meinte es ernst: Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich eine so sch\u00f6ne und bewegende Geschichte h\u00f6ren w\u00fcrde. Und ich versprach ihr, wir w\u00fcrden uns wiedersehen. Am Schluss sagte sie mir: \u201eEs gibt zwei wichtige Dinge im Leben: <em>yuanfen<\/em> und <em>mingyun<\/em>.\u201c Diese Ausdr\u00fccke kann man beide mit \u201eBestimmung\u201c \u00fcbersetzen. Wenn ein Mensch einen anderen trifft, an den er oder sie gebunden bleibt, dann spricht man von yuanfen. So als h\u00e4tte diese Begegnung bereits festgestanden, vom Schicksal vorgesehen. Deshalb denke ich, wir k\u00f6nnten dieses Wort auch mit \u201eVorsehung\u201c \u00fcbersetzen. Denn unser Leben wird nicht vom Zufall geleitet, sondern es gibt einen Vater, der uns liebt und uns begleitet auf dem Weg zu einer guten Bestimmung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine unerwartete Begegnung macht deutlich, dass Treue und Keuschheit Dimensionen der Liebe sind.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7744,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"Bewundernswerte Treue - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Eine unerwartete Begegnung macht deutlich, dass Treue und Keuschheit Dimensionen der Liebe sind."},"footnotes":""},"categories":[922],"tags":[939],"writers":[46],"regions":[936],"cities":[938],"class_list":["post-7743","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-zeugnisse","tag-verginita-de","writers-paolo-costa","regions-asia-de","cities-taipei-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7743"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7746,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7743\/revisions\/7746"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7743"},{"taxonomy":"writers","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/writers?post=7743"},{"taxonomy":"regions","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/regions?post=7743"},{"taxonomy":"cities","embeddable":true,"href":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/cities?post=7743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}