{"id":7767,"date":"2023-11-21T16:32:42","date_gmt":"2023-11-21T15:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/e-possibile-vivere-sempre-fino-in-fondo\/"},"modified":"2024-06-14T12:19:26","modified_gmt":"2024-06-14T10:19:26","slug":"e-possibile-vivere-sempre-fino-in-fondo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/e-possibile-vivere-sempre-fino-in-fondo\/","title":{"rendered":"Kann man immer voll und ganz leben?"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation-1366x1025.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation-1024x768.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation-800x600.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation.jpg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation-500x375.jpg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/GS-Boston-2023-summer-vacation-1000x750.jpg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"Gs Boston 2023 Summer Vacation\" \/><\/picture><figcaption>Junge Leute aus dem \u201eClub Seminar der Gemeinschaft\u201c an der Bishop Fenwick High School in Boston (in der Mitte, sitzend: Luis Miguel Hern\u00e1ndez; stehend: Michele Benetti).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>An der Bishop Fenwick High School in Boston gibt es, wie in den Vereinigten Staaten \u00fcblich, viele Clubs. Nach dem Unterricht, etwa um drei Uhr nachmittags, bleiben die Jugendlichen in der Schule und nehmen an einem Theater-, Schach-, Creative Writing- oder Programmier-Club teil. Auch Don Michele Benetti, der Physik und Religion unterrichtet, und ich bleiben einmal pro Woche da und leiten einen Club, den wir \u201eSeminar der Gemeinschaft\u201c nennen. Jedes Mal kommen etwa ein Dutzend Sch\u00fcler dazu, aus eigenem Antrieb, um \u00fcber ein frei gew\u00e4hltes Thema zu diskutieren oder \u00fcber einen kurzen Text zu sprechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Luna kam zu diesen Treffen durch Maria, eine italienische Austauschsch\u00fclerin. Anfangs kam sie ein paar Mal mit Maria, dann aber einige Monate lang nicht mehr. Nachdem Maria nach Italien zur\u00fcckgegangen war, kam Luna allerdings wieder regelm\u00e4\u00dfig jede Woche. Wir wunderten uns alle. Eigentlich w\u00e4re es doch logischer gewesen, wenn sie mitgekommen w\u00e4re, solange ihre Freundin in Boston war. Aber Luna tat genau das Gegenteil. Sp\u00e4ter hat sie es uns so erkl\u00e4rt: \u201eAls wir uns verabschiedeten, sagte Maria mir, unsere Freundschaft w\u00e4re wahrscheinlich schnell zu Ende, wenn ich nicht am Seminar der Gemeinschaft teilnehmen w\u00fcrde. Wenn wir aber gemeinsam Christus nachfolgten, k\u00f6nnten wir immer engere Freundinnen werden.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Wochen sp\u00e4ter bat Luna uns: \u201eIch w\u00fcrde gerne die Frage stellen f\u00fcr unser n\u00e4chstes Treffen. Darf ich?\u201c \u201eKlar!\u201c, antworteten wir, ohne zu wissen, was sie vorhatte. Bei Teenagern in der High School lernt man, offen zu sein f\u00fcr Fragen und die entwaffnende Aufrichtigkeit, mit der sie sich dem Leben stellen. Besonders in den Vereinigten Staaten haben die jungen Menschen eine bewundernswerte Offenheit des Geistes, zumeist frei von Zynismus und Vorurteilen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei unserem n\u00e4chsten Treffen sprachen wir ein kurzes Gebet und warteten dann auf Lunas Frage. \u201eEinen Moment bitte\u201c, sagt sie, \u201eich habe es aufgeschrieben.\u201c Sie holte ihr Handy hervor und begann zu suchen. \u201eHier: Ist es eurer Meinung nach m\u00f6glich, jeden Moment des Lebens voll und ganz zu leben?\u201c Dann wandte sie sich an mich, sah mir in die Augen und fragte: \u201eDon Luis, was denken Sie?\u201c Ich blieb ein paar Sekunden still. Eine so wahrhaftige und tiefgr\u00fcndige Frage wollte ich nicht mit einer vorgefertigten Antwort abspeisen. Ich h\u00e4tte alle entt\u00e4uscht, sogar mich selbst, wenn ich das mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet h\u00e4tte. Daher lie\u00df ich meine Woche Revue passieren, die Momente, in denen ich \u201evoll und ganz\u201c gelebt hatte, um es mit ihren Worten zu sagen, und versuchte, Beispiele f\u00fcr derartige Situationen zu finden. Schlie\u00dflich haben wir dann gemeinsam Erfahrungen aus der j\u00fcngsten Zeit gesucht, in denen wir wirklich das Gef\u00fchl hatten, wir selbst, bewusst und lebendig zu sein. Wir mussten uns allerdings auch eingestehen, dass diese Momente nicht sehr h\u00e4ufig vorkommen. Oft lassen wir uns von anderen Menschen oder von \u00e4u\u00dferen Ereignissen mitrei\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch hat mir sehr zu denken gegeben. Kurz darauf kam eine meiner Sch\u00fclerinnen mit 15 Jahren bei einem schrecklichen Unfall ums Leben und ich musste mich fragen, ob ich meine Beziehung zu ihr \u201evoll und ganz\u201c gelebt hatte. Auch bei anderen Gelegenheiten in meiner Arbeit als Lehrer, in den Beziehungen zu Kollegen oder im Haus mit meinen Mitbr\u00fcdern kam die Frage immer wieder: Lebe ich voll und ganz, oder nur halbherzig?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Jugendlichen kamen wir zu einer vorl\u00e4ufigen Hypothese, die mir sehr geholfen hat. Man k\u00f6nnte sie so zusammenfassen: Ob wir nun das Gef\u00fchl haben, uns ganz einzubringen, oder es nicht zu tun, in unserer Gemeinschaft werden wir immer wieder dazu herausgefordert, aufzuwachen und uns mehr ins Spiel zu bringen. Deshalb lohnt es sich, am \u201eClub Seminar der Gemeinschaft\u201c teilzunehmen. Und deshalb sind Menschen wie Luna ein unsch\u00e4tzbares Geschenk f\u00fcr mein Leben und f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine junge Frau, ein ganz besonderer Club und eine Frage, an der man nicht vorbeikommt. Eine Geschichte aus einer amerikanischen High School.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7768,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"Kann man immer voll und ganz leben? - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Eine junge Frau, ein ganz besonderer Club und eine Frage, an der man nicht vorbeikommt. 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