{"id":7782,"date":"2024-05-02T16:41:25","date_gmt":"2024-05-02T14:41:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sancarlo.org\/non-avere-paura-non-voltarti-e-vai\/"},"modified":"2024-06-14T12:15:41","modified_gmt":"2024-06-14T10:15:41","slug":"non-avere-paura-non-voltarti-e-vai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sancarlo.org\/de\/non-avere-paura-non-voltarti-e-vai\/","title":{"rendered":"Hab keine Angst!"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image wp-block-image--fnztema is-style-full-width\"><picture><source media=\"(min-width: 1280px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-1366x767.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 1024px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-1024x575.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 768px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-800x449.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-1600x898.jpeg 2x\"><source media=\"(min-width: 200px)\" srcset=\"https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-500x281.jpeg 1x, https:\/\/sancarlo.org\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/20230910-Taipei-Vacanze-CL-Dongshilinchang-53-1000x561.jpeg 2x\"><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" alt=\"\" \/><\/picture><figcaption><em>Laudes<\/em> bei den Ferien der Gemeinschaft von Comunione e Liberazione in Dongshilinchang (Taiwan).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Jia En (18) leidet an Krebs, seit er zehn Jahre alt ist. K\u00fcrzlich hat er sein Abitur mit sehr guten Noten bestanden: Er kann nun jedes beliebige Fach studieren. In Taiwan ist das eine Seltenheit. Viele der Studenten, die wir kennenlernen, studieren nicht das, was sie eigentlich wollten. Leider konnte Jia En keinen einzigen Tag am Unterricht teilnehmen. Seine Krankheit ist in ein finales Stadium eingetreten, das jede menschliche Hoffnung zunichte macht. Seine Tante Hui Jun geh\u00f6rt zu unserer Pfarrei und nimmt am <em>Seminar der Gemeinschaft<\/em> teil, das wir seit 2009 machen. Sie erz\u00e4hlte mir von der schweren Krankheit ihres Neffen und von seiner Behandlung in einem Krankenhaus der Stadt. Sie bat mich um einen Besuch bei ihm und seinen Eltern. Mir ist gleich klar, dass es ernst ist. In der Mittagspause fahre ich mit dem Roller hin. Um halb zwei Uhr erreiche ich das Krankenhaus. Im Zimmer sind auch die Eltern von Jia En. Er selbst ist sehr gewachsen, seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe. W\u00e4hrend seiner Schulzeit besuchte er die Jugendgruppe unserer Pfarrei, obwohl er gar nicht in der N\u00e4he wohnte. Aber seit der Verschlimmerung seiner Krankheit in der Coronazeit kam er nicht mehr. Seine Mutter erz\u00e4hlt mir gleich, dass ihr Sohn sich immer noch sehns\u00fcchtig an die Pasta erinnere, die ich f\u00fcr die Gruppe zu kochen pflegte. Jia En sitzt auf dem Bett, den Kopf rasiert, mit zwei Sauerstoffschl\u00e4uchen in der Nase. Er tr\u00e4gt einen Schlafanzug mit bunten K\u00e4tzchen. Auf seiner Brust kann ich die Narben der Operationen der vergangenen acht Jahre sehen. An seinem Arm sind Sonden, die seine Vitalfunktionen messen. Der Tumor hat sich von der Leber in die Lungen ausgebreitet, in die Wirbels\u00e4ule, eigentlich \u00fcberallhin. Jia En kann nicht essen, wegen der Geschw\u00fcre im Magen. Er ist wach und spricht sehr deutlich. Sein Vater massiert ihm den R\u00fccken, um die Schmerzen zu lindern, die das Morphium nicht stillen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Jia En ist froh, dass er aufgrund seiner Leistung, und nicht aufgrund der Erkrankung, die Zulassung zur Universit\u00e4t bekommen hat. Als er in unserer Jugendgruppe war, erlaubte ihm seine Mutter manchmal nicht, an bestimmten Aktivit\u00e4ten teilzunehmen. Denn wie alle taiwanesischen Kinder hatte auch er sonntags privaten Englisch- oder Mathematikunterricht. Damals war ich ziemlich \u00fcberrascht: Ich wusste, dass er krank war und wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit haben w\u00fcrde. Aber seine Eltern wollten, dass er ein ganz normales Leben f\u00fchrt. In gewisser Weise verstand ich sie auch. Man darf nicht aufgeben, man muss sein Leben leben und die Hoffnung bewahren. Einmal hatte ich allerdings die Mutter gefragt: \u201eWarum wollen Sie nicht, dass ihr Sohn mit uns auf die Jugendfreizeit kommt? Meinen Sie nicht, dass es im Leben Priorit\u00e4ten gibt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Das Paradies ist ein wundersch\u00f6ner Ort: ein Vater wartet auf uns, eine Mutter hei\u00dft uns willkommen<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Jetzt ist Jia En erwachsen und sehr krank. Ich fragte ihn: \u201eHast du Angst?\u201c \u201eJa\u201c, antwortete er. \u201eWovor?\u201c \u201eDavor, dass ich es nicht schaffen werde.\u201c \u201eHab keine Angst\u201c, sagte ich ihm. \u201eGib dich ganz in Gottes Hand. Bitte ihn, dass dieses Kreuz einen Sinn hat. Das Paradies ist ein wundersch\u00f6ner Ort, an dem es keinen Schmerz und keine Tr\u00e4nen mehr gibt. Ein Vater wartet dort auf uns, eine Mutter hei\u00dft uns willkommen.\u201c Dann habe ich mit ihm und seinen Eltern gebetet; gegen Ende kamen auch seine Tante und seine Gro\u00dfmutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir wurde klar, dass der Mensch selbst angesichts des nahen Todes nicht aufgibt. Alles in ihm rebelliert. Auch der K\u00f6rper k\u00e4mpft ums \u00dcberleben. Jeder Augenblick, jeder Herzschlag, jeder Atemzug schreit nach Leben. Aber ein Leben, das nicht stirbt, kann uns nur Christus schenken. Selbst wenn wir tausend Jahre leben w\u00fcrden, w\u00e4re das nicht genug, um die Sehnsucht nach ewigem Leben zu stillen, die wir sind. Das Leben ist wirklich ein Geschenk, ein Geheimnis. Wir sind nicht Herr dar\u00fcber, und es gibt nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder wir sind arme Schweine, oder wir sind in Gottes Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Jia En hat die Nacht nicht \u00fcberlebt. Seine Mutter schrieb mir eine SMS: \u201eEr ist nach Hause gegangen, in den Himmel.\u201c Ich antwortete ihr: \u201eM\u00f6ge er ruhen in Frieden! Gott hat ihn in seine Arme geschlossen.\u201c Am Donnerstagabend hatten wir in der Universit\u00e4t ein Treffen, bei dem wir dar\u00fcber sprechen, was wir im Alltag erleben. Eines der Lieder, die die Studenten ausgew\u00e4hlt hatten, war <em>Favola<\/em> des italienischen Liedermachers Claudio Chieffo. \u201eWir sind hier zusammen\u201c, sagte ich ihnen am Ende des Treffens, \u201enicht um irgendetwas \u00fcber das Leben zu lernen, oder eine Technik, um es besser zu machen. Wir sind hier, um zu lernen, was der Sinn des Lebens ist. Und wir sind nicht allein. Wie es in dem Lied hei\u00dft, das wir gesungen haben: \u201aEs ist jemand bei dir, der dich nie verlassen wird. Hab keine Angst, dreh dich nicht um und geh.\u2018\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hei\u00dft es, einen jungen Menschen in seinen letzten Stunden zu begleiten und ihm zu helfen, sich in die H\u00e4nde des Vaters fallen zu lassen? Ein Zeugnis aus Taipeh.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":7784,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"slim_seo":{"title":"Hab keine Angst! - Priesterbruderschaft des heiligen Karl Borrom\u00e4us","description":"Was hei\u00dft es, einen jungen Menschen in seinen letzten Stunden zu begleiten und ihm zu helfen, sich in die H\u00e4nde des Vaters fallen zu lassen? 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