Freude am Glauben

Die Universitätsseelsorge wächst durch einfache Begegnungen und die Möglichkeit, ein Zuhause zu bieten. Ein Bericht aus Paraguay.

Asunción La Alegria de la Fe Nov 11
Javier De Haro mit einer Gruppe von Studenten bei der Veranstaltung “Die Freude am Glauben”.

Nachdem ich sieben Jahre Pfarrer von San Rafael gewesen war, zusammen mit Don Franco und Don Patricio und unter dem wachsamen Blick von Padre Aldo, wurde mir die Möglichkeit geboten, an der Universität zu arbeiten, zunächst als Dozent und dann als Leiter der Hochschulseelsorge an der Universidad Nuestra Señora de la Asunción. Die Herausforderung war nicht gering: vierzig Dozenten koordinieren, die alle Studenten in Theologie und Ethik unterrichten, die Hochschulseelsorger bei ihren Aufgaben begleiten und gemeinsam mit den Animatoren „Leben“ in der Universität erwecken.

Nach vierzig Jahren in der Bewegung CL-Gemeinschaft und Befreiung und dreißig Jahren in der Priesterbruderschaft San Carlo stelle ich kurz vor meinem Eintritt in den Ruhestand fest, dass man als alter Mensch wieder jung werden kann, wenn man einfach der Erziehung folgt, die man da erhalten hat. Auf drei Säulen ruht mein Einsatz in der Seelsorge. Die erste: Alles ist eine Gelegenheit zur Begegnung, sei es eine Vorlesung, ein Kaffee, die „zwei Minuten Zeit“, um die einen Leute bitten, wenn sie einem auf dem Flur begegnen, dass man Menschen mit ihrem Namen anspricht, auch auf Unvorhergesehenes eingeht. Jede Begegnung trägt in sich den Keim einer Freundschaft. Wenn man sich für die unterschiedlichen Menschen öffnet, kommt nach und nach die zweite Säule zum Vorschein: Ein physischer Ort ist wichtig. Dank der Räumlichkeiten, die uns zur Verfügung stehen (eine Bibliothek mit Platz zum Lernen, ein Versammlungsraum, Büros, der Garten), ist die Hochschulseelsorge für die Studierenden wie ein Zuhause. Sie wird für sie zu einer zweiten, manchmal sogar zur ersten Familie. Und schließlich die dritte Säule: Präsenz im Umfeld. Das bedeutet auch, auf praktische Bedürfnisse einzugehen: Lerngruppen bilden, kostenlose Nachhilfe und Vertiefung von Themen anbieten, Treffen organisieren, bei denen man über alles sprechen kann, was während der Woche geschehen ist, jemanden zu einem Spaziergang einladen, und Ähnliches.

Als alter Mensch kann man wieder jung werden, wenn man einfach der Erziehung folgt, die man erhalten hat

In diesem Jahr ist besonders die Freundschaft unter etwa zwanzig Studierenden wichtig geworden, die, obwohl sie aus unterschiedlichen Milieus kommen und verschiedene konfessionelle Hintergründe haben, die Gruppe „Glaube und Leben“ bilden. Im zweiten Jahr in Folge habe ich ihnen vorgeschlagen, sich vor ihren Kommilitonen und Dozenten zu präsentieren, indem sie die Veranstaltung „Freude am Glauben“ organisieren, diesmal unter dem Motto „Frieden stiften hier und jetzt“. Sie fand im Innenhof zwischen der medizinischen und der finanzwissenschaftlichen Fakultät statt, einem der meistfrequentierten Orte in der ganzen Universität. 

Eingeladen hatten wir den Nuntius in Paraguay, Erzbischof Vincenzo Turturro. Im ersten Teil stellten die Studenten sehr direkte und tiefgründige Fragen, und die Antworten des Nuntius brachten uns wirklich zum Nachdenken: „Wir teilen die Menschen in gute und schlechte ein, aber das ist nicht richtig. Der Unterschied besteht darin, ob sich jemand geliebt fühlt oder nicht.“ Oder: „Die Kirche löst keine Konflikte, sondern schafft vielmehr die Voraussetzungen dafür, dass Menschen sich verstehen können.“

Im zweiten Teil ging es dann um Erfahrungen des Friedens „hier und jetzt“. Priscilla, die alle 14 Tage die Insassen des Jugendgefängnisses besucht, erklärte, dass sie sich für das Fach Kriminalpsychologie entschieden habe, „nicht um zu verurteilen, sondern um junge Menschen zu begleiten, die keine Familie haben“. Ana Belén berichtet von den vielen jungen Menschen, denen die Hochschulseelsorge helfen konnte. Maga ist durch ihre Teilnahme am gemeinsamen Lernen und am Leben der Hochschulgemeinde von dem verbissenen „Ich schaffe das alleine“ vorgestoßen zur Freude über die neuen Freunde, die ihre Bedürfnisse teilen und ihr Leben verändern.

Die Stände, die Volksmusik, das Sammeln von Lebensmittelspenden für die Stiftung San Rafael und eine Ausstellung über kirchliche Bewegungen und Orden rundeten die Veranstaltung ab.

Was für eine große Herausforderung, annehmen und weitergeben, lernen und erziehen, und auch leiden zu können, ohne die Freude zu verlieren! Die Wege sind vorgezeichnet. Nun ist es an uns, sie zu beschreiten und sie anderen zu weisen. Auch an der Universität. 

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