Königin des Lichts und Mutter der Sünder

Seit jeher wendet sich das christliche Volk an Maria als seine Mutter und Herrin. Eine Betrachtung für den Marienmonat.

Diego Velázquez, Incoronazione della Vergine (dett.) (1641, Museo del Prado, Madrid).
Diego Velázquez, Krönung Mariens (Detail), 1641, Museo del Prado, Madrid.

Es gibt viele Begriffe des christlichen Volkes für Maria. Alle verdienen es, betrachtet und durchbetet zu werden. Man denke nur an das Ave Maria, das Salve Regina, die Lauretanische Litanei, das Ave Maris Stella … Viele Hymnen und Lieder sind in allen Epochen des Christentums aus der Marienverehrung hervorgegangen, besonders im zweiten Jahrtausend. Ich persönlich liebe es, Maria mit den Titeln „Königin“ und „Mutter“ anzusprechen.
Königin. Ich brauche eine Person, zu der ich aufschauen und mit der ich sprechen kann. Eine Frau, die wirklich gelebt hat und in ihrem verklärten Leib weiterlebt. Dieser hat sich bei vielen dramatischen Ereignissen der Geschichte gezeigt.

Eine Frau, auf die ich schauen kann als die Quelle eines Lichts, das ganz klar und mir sehr nahe ist. Ein Licht, das jedes Detail meines Menschseins und meines Alltags erleuchtet. Ein Licht, das keine Angst vor meinem Staub und meinem Schmutz hat, mir aber zugleich die Kraft schenkt, geduldig in meinem Haus aufzuräumen, damit schließlich nur noch dieses Licht darin wohnt.
Dieses Licht macht das Schöne noch schöner. Es lädt ganz leise und respektvoll ein, die Schatten zu vertreiben, die die Schönheit und die Liebe verdunkeln.

Eine Person wie wir, die ganz und gar erfüllt ist von jener Gnade, um die wir demütig für uns selbst bitten.

Königin des Lichts. Dieser Begriff ist mir sehr lieb. Er bringt ein Ideal zum Ausdruck, nach dem wir streben können: eine Person wie wir, die ganz und gar erfüllt ist von jener Gnade, um die wir demütig für uns selbst bitten.
Mutter der Sünder. Das ist die zweite Anrufung, die mir wichtig ist. Oder besser gesagt: Mutter von uns Sündern. Das Bewusstsein der eigenen Sünde wächst mit den Jahren, denn auch das Bewusstsein für das schon empfangene Gute nimmt zu.
Mutter. Wir wissen, dass dieses Wort die Fähigkeit bezeichnet, Leben hervorzubringen und vor allem das zu nähren und wachsen zu lassen, was hervorgebracht wurde. Alma Mater: Mutter, die uns nährt und zur Reife führt.
Maria hat Jesus durch den Heiligen Geist empfangen. Viele halten diese Empfängnis für ein Märchen. Sicherlich ist sie nicht der erste Schritt zum christlichen Glauben. An erster Stelle steht ja der Glaube an den Schöpfergott. Wenn Gott aber aus dem Nichts schaffen konnte, warum sollte er dann nicht noch einmal schaffen? Die Empfängnis Jesu ist eben eine neue Schöpfung, ein Neu-Schaffen, eine Erneuerung der ersten, gefallenen und verdorbenen Schöpfung auf einer höheren Ebene. Jesus ist der neue Mensch.
Bitten wir also Gott durch Maria, dass diese neue Schöpfung jeden Tag für uns geschehe, dass wir neu geboren werden durch den Heiligen Geist, durch die Fleischwerdung Jesu, durch die Kirche: Veni Sancte Spiritus, veni per Mariam – komm, Heiliger Geist, komm durch Maria!

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