Das Mosaik unseres Lebens

Auch ein Kunstprojekt kann jungen Menschen einen tieferen Blick auf das Leben öffnen. Zwei Tage beim New York Encounter.

AMORUSO mosaico

Schon zum wiederholten Mal nahmen einige Jugendliche der „Cavalieri“ (einer Gruppe für Schüler der Mittelstufe bei CL) mit ihren Familien 2025 am New York Encounter teil. Diese Veranstaltung findet dort jedes Jahr im Januar statt und bietet drei Tage lang Vorträge, Ausstellungen und kulturelle Events. Das ist immer sehr schön dank der vielen Zeugnisse, der vielfältigen Ausstellungen und Begegnungen. In den ersten Jahren liefen die Jugendlichen jedoch durch die verschiedenen Säle und wussten nicht so recht, was sie tun sollten. Die Diskussionsveranstaltungen und Ausstellungen waren oft zu anspruchsvoll für sie. Und wenn sie doch einmal an einer Veranstaltung teilnahmen, standen sie meist nach wenigen Minuten schon wieder auf und gingen woandershin.

Deshalb haben wir begonnen, ihnen eine Aufgabe zu stellen, die sie von Samstag bis Sonntag Vormittag beschäftigt. Dieses Jahr sollten sie ein großes Mosaik gestalten. Wie jeder weiß, müssen dafür Hunderte oder Tausende von Mosaiksteinchen zusammengesetzt werden. Jedes hat eine bestimmte Farbe und ist unverzichtbar für das Gesamtbild, aber es muss richtig „gelesen“ werden. Für sich allein ist es nur ein Steinchen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Mosaik und die Bedeutung der einzelnen Steine zu lesen. Die erste Ebene ist, zu erkennen, dass das Fragment Teil eines bestimmten Objektes ist. Die zweite Ebene erkennt es als Teil eines Bildes, das eine bestimmte Bedeutung hat. Auf einer dritten Ebene stellt man es in Zusammenhang mit allen Mosaiken in der Kirche, welche die Heilsgeschichte erzählen! Auf dieser Ebene sind die Mosaiksteine dann nichts Einzelnes mehr, sondern bilden eine Einheit: die Geschichte.

Die Cavalieri erhielten den Auftrag, einen Teil des Mosaiks von Christus, der die Lämmer weidet, zu gestalten. Acht Tafeln, die die Künstlerin Christianne, unter deren Anleitung sie gearbeitet hatten, am Schluss zu einem Werk zusammenfügte.

Auch jeder unserer Tage ist wie ein Mosaiksteinchen: Jedes Teil ist unverzichtbar

Am Sonntag um 15 Uhr wurde es der Öffentlichkeit präsentiert. Den ganzen Samstag und Sonntagvormittag hatten die Cavalieri hart gearbeitet. Sie waren wirklich super!

Auch jeder unserer Tage ist wie ein Mosaiksteinchen: Jedes Teil, ob es hell oder dunkel ist, ist unverzichtbar. Es kann nicht für sich allein verstanden werden, man muss es auf den drei oben beschriebenen Ebenen lesen. Wenn wir das Mosaik unseres Lebens auf diesen drei Ebenen betrachten, dann zeigt es die Heiligkeit.

Das bedeutet ein Öffnen unserer Seele und unseres Geistes, die die Wirklichkeit umarmen und gleichzeitig umarmt werden. Das Vertrauen in den göttlichen Künstler ist wie der Zement, mit dem jedes Teilchen, jeder Moment, den wir erleben, in eine Geschichte oder in die große Geschichte Gottes eingefügt wird. Wir müssen einigermaßen demütig sein, um das zu erkennen. Oder zumindest so lange zurücktreten und nachdenken, bis wir das Gesamtbild sehen. Und dann haben wir noch die Ewigkeit, um wirklich zu verstehen und dankbar zu sein.

Aber kehren wir zurück zum New York Encounter. Irgendwann bemerkte ich, dass einige Mädchen gerade die Füße Jesu legten mit den Steinchen. „Glaubt ihr, Jesus merkt, dass ihr gerade seine Füße legt?“, fragte ich. Sie dachten kurz nach, dann antworteten sie: „Ja“. „Gut“, sagte ich. „Er vergisst das nicht. Er wird euch dankbar sein und euch auf eine Weise belohnen, wie ihr sie euch gar nicht vorstellen könnt. Wir verstehen ja nur einen Teil der Sprache Gottes: Das nennen wir Freude.“

Wer hätte gedacht, dass das Legen eines Mosaiksteinchens Quelle der Freude sein kann?

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