Mitten in Prag

Mitten in der Stadt ein Ort des Friedens und der Schönheit, an dem man seine Beziehung zu Christus wiederentdecken kann.

BASILE praga parrocchiane
Marco Basile bei einem Treffen mit einigen Gemeindemitgliedern.

Seit zwei Jahren haben wir eine Pfarrei in Karlín, einem der lebhaftesten und sich am schnellsten wandelnden Stadtteile Prags. Ich bin Pfarradministrator und Don Marek ist Pfarrvikar. Don Stefano, der für eine andere Pfarrei zuständig ist, hilft uns gelegentlich aus.
Unsere Kirche gehört zu den schönsten der Stadt. Sie ist den Heiligen Cyrill und Methodius geweiht und wurde 1863 fertiggestellt, tausend Jahre nach der Ankunft der beiden großen „Slawenapostel“ in Mähren. Auch aufgrund ihrer Größe ist sie ein Anziehungspunkt für viele Menschen, die über den Platz gehen. Sie ist von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Das hatte unser Vorgänger so entschieden. Und es ist auch fast immer jemand zum Beten da: Mütter mit ihren Kindern, Angestellte der vielen internationalen Unternehmen in der Nachbarschaft, Gläubige und Nichtgläubige, die das Bedürfnis verspüren, in die Stille unserer Kirche einzutauchen. Von Zeit zu Zeit veranlassen ihre Schönheit und Offenheit jemanden, uns anzusprechen, manchmal nur aus Neugier, manchmal mit der Bitte um ein geistliches Gespräch oder die Sakramente. 
Wir versuchen, den Menschen, denen wir begegnen, die Liebe zur Kirche zu vermitteln, die wir in der Bewegung CL-Gemeinschaft und Befreiung gelernt haben. So kam eines Tages auch Josef zu uns. Unentschlossen, ob er sich taufen lassen sollte, begann er mehrmals einen Kurs und brach ihn wieder ab. Nach zweijähriger Vorbereitungszeit wird er nun zu Ostern zusammen mit vier weiteren Erwachsenen getauft. Vor ein paar Tagen erzählte er mir, dass er jetzt in seiner Pfarrei aktiv sei. Er habe entdeckt, dass Freundschaft ein wichtiger Teil des Glaubenslebens sei, und versuche, seine angeborene Schüchternheit zu überwinden.

Es ist unsere Aufgabe zu zeigen, dass die Kirche ein Haus ist, in dem Gott uns nahe ist


Zuzka hat sich beim Lesen der Evangelien in Jesus verliebt. Aber sie ärgert sich über die Regeln, die die Kirche aufstellt. Sie scheinen ihr ein großes Hindernis für ihre persönliche Beziehung zu Christus. Sie weiß noch nicht, ob sie sich katholisch taufen lassen soll. Die Gespräche mit ihr sind schön und dramatisch zugleich. Ich kann ihr nur bezeugen, dass für uns die Kirche in erster Linie Mutter ist und dass wir deshalb mit Vertrauen auf das blicken, was sie uns vorgibt.
Radek wurde kurz nach der Geburt getauft, hatte aber nie einen Fuß in eine Kirche gesetzt. Als Sympathisant der LGBTQ-Bewegung hat er erlebt, welchen Schaden es anrichten kann, wenn jugendliche Unsicherheiten ideologisch ausgenutzt werden. Durch Videos auf YouTube begann er, die Bibel zu studieren. Im gleichen Zeitraum fand auch seine Freundin Elena zum Glauben, nach Jahren der Suche bei östlichen Philosophien und Drogen. Beide bereiten sich jetzt auf ihre Erstkommunion vor. In ihren Herzen tragen sie viele Wunden, viele Fragen, und eine tiefe Dankbarkeit für das Geschenk des Glaubens.
Auch der Ehevorbereitungskurs ist für uns eine Gelegenheit zur Evangelisierung. Meistens nehmen Menschen teil, die von der Schönheit unserer Kirche angezogen wurden, Paare, bei denen nur einer getauft ist, die schon länger zusammenleben und noch nie in der Messe waren. Überrascht von der Tiefe der Lehre der Kirche, empfehlen sie unseren Kurs auch nichtgläubigen Freunden. Oft sind sie weniger für das dankbar, was ich ihnen vortrage, als für die Zeugnisse von Ehepaaren aus der Bewegung, die ihre Mühen und Probleme nicht verbergen, sondern einen authentischen Weg aufzeigen, wie man damit umgehen kann.
Die Heiligen Cyrill und Methodius haben vor mehr als 1000 Jahren den Slawenvölkern nicht eine Kultur aufgezwungen, sondern den Glauben in deren Sprache und Kultur übersetzt, damit alle Christus begegnen konnten. Das ist auch unsere Aufgabe heute: deutlich zu machen, dass die Kirche ein offenes Haus ist, in dem Gott uns nahe ist, auch mitten in Prag.

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