Eine neue Freundschaft entsteht

Das Geschenk einer Begegnung und die Gnade eines Neuanfangs. Gemeinsam, weil wir einen Weg suchen müssen.

Santiago Cottafava

Vor ein paar Monaten stand ich nach einer Sonntagsmesse vor unserer Kirche, die der Mater admirabilis geweiht ist, und unterhielt mich wie üblich auf dem Kirchhof mit einigen Leuten. Irgendwann sah ich einen Mann und eine Frau mit einem kleinen Kind auf den Platz vor der Kirche kommen. Er blieb mit der Tochter draußen, saß auf einer Bank und sah bedrückt aus; sie ging in die Kirche.

Nachdem ich die Gespräche beendet hatte, wollte ich in die Sakristei gehen, um mich umzuziehen. Im Kirchenschiff kam die Frau, die ich draußen gesehen hatte, auf mich zu und fragte: „Gibt es hier Gruppen Marriage Encounter?“ Ich verstand nicht ganz, was sie meinte, und erwiderte: „Wenn Sie wollen, können Sie hier auf mich warten, bis ich mich umgezogen habe. Dann können wir uns in Ruhe unterhalten.“ Als ich zurückkam, saßen auch der Mann und das kleine Mädchen bei ihr in der ersten Reihe. Wir begannen uns zu unterhalten und ich versuchte zu verstehen, wonach genau sie suchten. Nach einigen vagen Erklärungsversuchen sagte er plötzlich: „Schauen Sie, die Wahrheit ist, dass wir in einer Krise stecken und Hilfe brauchen.“ Ich überlegte ein paar Sekunden lang, was ich ihnen vorschlagen sollte. Schließlich sagte ich: „Geben Sie mir ein paar Tage Zeit. Ich werde darüber nachdenken und Ihnen dann Bescheid geben.“

„Wir bitten euch, diese Ringe zu segnen, denn wir wollen einen Neuanfang machen“

Nachdem ich mit einem meiner Mitbrüder darüber gesprochen hatte, luden wir uns bei ihnen zum Abendessen ein. Sie nahmen den Vorschlag freudig an und erklärten: „Genau darum wollten wir Sie bitten!“ In der folgenden Woche gingen wir also zu ihnen. Sie schienen sehr froh und dankbar und erzählten uns, dass sie zufällig in unsere Kirche gelangt seien, aus Neugierde, weil sie beim Spazierengehen gesehen hatten, dass sie offen war. Sie erklärten, vorher hätten sie darüber diskutiert, wie sie sich trennen könnten, ohne ihrer dreijährigen Tochter zu viel Leid zuzufügen. Die Frau gestand, als sie die Kirche gesehen habe, sei sie buchstäblich hineingestürzt, um Gott zu bitten, ihre Familie zu retten. Der Mann räumte ein, er sei ohne Begeisterung in die Kirche gegangen, habe sich aber bereit erklärt, sich helfen zu lassen, weil ich, anstatt sofort ein fertiges Rezept zu haben, mich als jemand gezeigt habe, der wie sie nach einem Weg suche.

Ich kann nicht wirklich erklären, was geschehen ist, aber am Ende des Abendessens holten sie eine kleine Schachtel hervor und öffneten sie. Darin befanden sich zwei Ringe. Er erklärte: „Vor fünf Jahren hatten wir beschlossen zu heiraten und besorgten uns diese Ringe. Dann kam die Pandemie, unsere Tochter wurde geboren, es gab einige Trauerfälle in der Familie, und die Ringe blieben in der Schublade. Jetzt bitten wir euch, sie zu segnen, denn wir wollen einen Neuanfang machen.“ Zwischen uns ist eine Freundschaft entstanden, die die beiden Gott und der Kirche wieder nähergebracht hat. Jetzt kommen sie regelmäßig zur Messe und laden auch Freunde dazu ein. Und ich bin dankbar dafür, wie das persönliche Leben und die Beziehung zweier Menschen wieder aufblühen kann durch eine schlichte Begegnung.

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